Gloria ist in ihrer Schule die Einzige mit dunkler Haut. "Ich bin so was wie eine limitierte Auflage", sagt sie. Zum Glück hat sie damit in der Klasse keine Probleme, doch außerhalb der Schule erfährt sie Misstrauen und auch Hass. Auch ihr Vater Paulino Pilima hatte es die ersten Jahre in Deutschland schwer.
1980 kommt Paulino Pilima aus Mosambik als so genannter Vertragsarbeiter in die DDR. Ein Bleiberecht hat er nicht, Kontakt zur Bevölkerung ist nicht erwünscht und Beziehungen zu Mädchen erst recht nicht. Doch Iris und Paulino verlieben sich.

Iris wird schwanger und bringt einen gesunden Sohn auf die Welt. Doch es ist den Eltern laut DDR-Gesetz untersagt zu heiraten. Auch eine gemeinsame Wohnung ist nicht gestattet. Erst nach dem Mauerfall können sie dies alles nachholen. Iris: "Und dann durfte ich mich endlich nach langer Zeit Frau Pilima nennen. Das ist sehr schön gewesen."
Als Familie Pilima sich vor sieben Jahren ihren Traum vom eigenen Haus erfüllt, wird sie zur Zielscheibe fremdenfeindlicher Attacken. Ihr Haus in Liebstadt, ein Ort in der Sächsischen Schweiz, wird von Rechtsradikalen mit "Heil Hitler"-Rufen und Parolen wie "Neger raus", "Deutschland den Deutschen", regelrecht belagert.
"Es ist ein Riesenproblem für manche gewesen" erzählt Paulino. "Sie haben mich gesehen als wir gebaut haben und ich nehme an, diese Leute gedacht haben, ich sei bei der Baufirma angestellt und nach einer gewissen Zeit würde ich wieder verschwinden. Dass ich eigentlich der Bauherr bin und damit auch hier bleibe, das haben sie nicht einkalkuliert. Das ist wie ein Blitzschlag für die Leute hier gewesen."

Immer wieder skandierten Unbekannte vor Pilimas Haus fremdenfeindliche Parolen. Einsätze der Polizei verhindern Schlimmeres. Doch eines Nachts fliegt ein schwerer Hammer durch eine Fensterscheibe. Glücklicherweise wird niemand verletzt. "Wissen sie," fährt Paulino fort, "wenn man so einen Hammer ins Haus geworfen vorfindet, sind die Gedanken hinterher so vielfältig. Heute werfen sie ein Hammer - was werfen sie morgen?!"

Der 45-Jährige gelernte Energie-Elektroniker Paulino arbeitet seit zwölf Jahren bei einem Großunternehmen in Dresden. Gemeinsam hat das Ehepaar zwei Kinder. Tochter Gloria ist zehn Jahre alt und besucht in diesem Jahr das Gymnasium. In der Schule hat sie keine Probleme, doch außerhalb der Schule ist es manchmal schwer für sie. Gloria erzählt: "Na, dann hat jemand gesagt ich wäre eine Missgeburt und hat mich immer weiter beleidigt. Die hat wohl irgendwas gegen Menschen, die nicht so aussehen wie die Deutschländer. Sie glaubt, wir gehören hier nicht rein." Ihr älterer Bruder Manuel ist gleich nach dem Abitur ausgezogen. Er wollte nicht mehr in Liebstadt wohnen. Er möchte in Dresden studieren.

In der Nachbarschaft des Hauses von Familie Pilima, gab es kurz nach dem Einzug vor sieben Jahren einen Jugendclub in dem abends regelmäßig diskutiert wurde. Durch die Stille der Nacht hört Iris Pilima damals ungewollt die Beiträge der Beteiligten. "Die Jugendlichen haben sich in den ersten drei Jahren wirklich den Kopf zerbrochen, wie schändlich das ist, dass ich Blutschande begangen habe" berichtet Iris. "Ich habe die Nächte nicht geschlafen, ich war immer im Wachdienst, wenn ich alleine war. Man hört das ja von oben, wenn die sich laut unterhalten. Dass ich Blutschande begangen habe erzählten sie und wie viele Generationen es wohl dauern wird bis die Kinder mal wieder sauber sind. Also solche Gedanken, da frage ich mich, wo sie das her haben."

Um die Familie vor weiteren rassistischen Übergriffen zu schützen, formierten sich damals besorgte Einwohner zu einer so genannten Bürgerstreife. Seit die Familie in Liebstadt wohnt, ist kein Jahr ohne Zwischenfälle vergangen.

Das wollen Pilimas nicht einfach hinnehmen. Sie gehen in die Öffentlichkeit, lokale Zeitungen berichten über die Vorfälle. Für einige sind die Pilimas jetzt sogar Nestbeschmutzer. Pilimas geben auf, wollen nur noch weg und ihr Haus verkaufen.